Projekt Beschreibung

Terra incognita Tuva

»Das müßte schon ein ganz stumpfer Patron sein, den nicht bald in Tuwa die Frage zu quälen begänne, was dieses Land einstmals gewesen sein mag, welche Völker in ihm lebten.«

Die Beziehung der Tuviner zu ihrer Heimat zeigt die bezeichnende Ausdrucksweise Mutterland – Tuva (Mother Earth), während im Rest der Welt die Heimat Vaterland heißt. Dieser innigen Beziehung zu ihrer Heimat begegnet man im Land auf Schritt und Tritt, und dies ist notwendig zu begreifen, wenn man Tuva verstehen möchte. Der Tuviner erlebt die Natur als eine intelligente und weise Umgebung, die über einen eigenständigen Willen verfügt.
Von Schamanen, Musikern, Schriftstellern, Ringkämpfern und Pferden, sowie dem Nomadentum erzählt dies Buch und verfolgt die Geschichte der Familie Tyulyush über vier Generationen.

Past & Present ist eine Buchreihe. Nach Lissabon und dem historischen Buch über New York ist das Buch über Tuva, der geheimnisvollen Republik an der Grenze zur Mongolei, der dritte Fotoband mit einem ungewöhnlichem Blickwinkel. Immer sind diese Bücher auch mit Musik aus den jeweiligen Regionen verbunden, diesmal zusätzlich mit dem Dokumentarfilm „Geheimnisse des Chöömej“ von Wolfgang Hamm. Beim vorliegenden Band ist der Bezug zur Musik noch größer, da hier auch die Familiengeschichte eines der Musiker des Ensembles Huun-Huur-Tu erzählt wird, zudem auch deren Musik zu hören ist. Wir wissen wenig über die russische Republik – ganz im Süden Sibiriens an der Grenze zur Mongolei gelegen.

1927 reiste als einer der ersten West-Europäer Otto Mänchen-Helfen nach Tuva und schrieb ein Buch: »Reise ins asiatische Tuwa«. Damals war es mehr als schwierig dorthin zu reisen: »Ich lief zu tausend Stellen und Ämtern, erhielt Bescheinigungen, Stempel, Unterschriften, Bestätigungen, füllte die hundert Rubriken der Fragebögen aus wie z. B.: Was haben sie 1917 gemacht und warum?«

2019 reiste ich auf seinen Spuren als Autor ohne jegliche Probleme über Moskau und Abakan nach Tuva, um meine Kenntnisse, die aus einer 25jährigen Zusammenarbeit mit dem Musikensemble Huun-Huur-Tu stammen, zu vertiefen.

Die westlich zentrierte Sichtweise, geprägt von den Kriegsereignissen des zweiten Weltkrieges, schildert ein Bericht aus dem deutschen Magazin Der Spiegel (1948). Es wird von schmutzigen, unzivilisierten Menschen aus dem Inneren Asiens gesprochen, einem Land, das nur eine kurze Zeit ein selbstständiger Staat war, bis es wieder von der internationalen Landkarte verschwand: Tanna – Tuwa. Seine bekannten dreieckigen Briefmarken zeugen vom Nationalstolz der Tuwiner. In den 40er Jahren kämpften ihre Reiternomaden mit der russischen Armee gegen Nazi-Deutschland und heute sind die Bewohner froh, ein Teil Russlands zu sein. Das Gebiet zwischen Gobi, Sajangebirge und Altai beherbergte in alten Zeiten hohe und eigenständige Kulturen. Von diesem Schatz ist bisher wenig bekannt und ausgegraben. Einzig der Goldschatz der Skythen wurde vor nicht allzu langer Zeit entdeckt, eine archäologische Sensation von einer der Hochkulturen aus Zentralasien (vom 8. – 3. Jahrhundert v. Chr.). In unserem Weltbild gab es nur die wilden Reiternomaden, von Dschingis Khan angeheuert, die brandschatzend bis vor die Tore Mitteleuropas zogen. Die Tuviner galten als deren tapferste Krieger, doch Tuva ist so viel mehr, und wir wissen so wenig darüber.
An der Grenze zur Mongolei gelegen, durchflossen vom viertgrößten Strom der Erde, dem Jenissei, mehr als 4.000 km lang, liegt das Land sieben Flugstunden und vier Zeitzonen von Moskau entfernt. Es entwickelt sich mittlerweile zu einem Sehnsuchtsort für Menschen aus aller Welt, die Nähe zur Natur suchen. Terra Incognita Tuva. Seine bekanntesten Botschafter sind die erwähnten Musiker vom Mittelpunkt Asiens, die seit mehr als 30 Jahren die ganze Welt bereisen und die Kultur ihres Landes vermitteln.

Ihnen folge ich in ihr Heimatland und in ihre Hauptstadt Kysyl. Heutzutage treffen wir dort einige Ausländer, die sich vor allem für Schamanismus interessieren und u.a. auch die dortige Schamanenklinik besuchen. Das einfache, naturbezogene Nomadenleben in der Steppe Asiens hat dieses Volk geprägt. Heute steht jedoch wie selbstverständlich der Jeep vor der Jurte, und die Satellitenschüssel sowie das Solarpanel sind auf dem Dach installiert. Nationalsportarten wie Reiten und Ringen sind sehr beliebt und die Besten ihres Fachs werden als Nationalhelden gefeiert. Ringkämpfe trägt man vor mehreren tausend Zuschauern im Stadion aus. Einmal jährlich treffen sich die besten Obertonsänger des Landes in der Hauptstadt zu einem Wettbewerb. Ich bin den Klängen gefolgt und habe das Festival samt Pferdeparade besucht.

Eine Bilderreise mit spannenden Geschichten und Rückblicken soll die Terra Incognita Tuva ein bißchen näher an unsere Welt rücken und Einblicke in eine uns so fremde Kultur geben.

Ich möchte vor allem Radik Tyuluysh für die Planungsvorbereitung und meinen beiden Begleitern Diana & Shoraan Oorzhak danken, ohne die dieses Buch nie entstanden wäre. Die Musik von Huun Huur Tu hat mich lange Jahre begleitet und inspiriert, aber erst jetzt, nachdem ich vor Ort war, kann ich die Naturverbundenheit und Zentrierung aufs Traditionelle als das Wesentliche, richtig verstehen.

January 2020, Ulrich Balß

New York Past & Present

New York Past & Present

Um das Buch wurde eine Multi-Media Show „Ein Abend in New York kreiiert, mehr als 50 Auftritte in Deutschland und Österreich folgten.
Zum Buch gab es bisher 5 TV Beiträge sowie 14 Radiointerviews.
2021 wird das Leseprogramm auf der Queen Mary 2 auf der Überfahrt von Hamburg nach New York präsentiert.  New York Premiere : Mai 2021

January 2020, Ulrich Balß