Incipit

Incipit

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Richtig italienisch ist das Solo-Album von Julian Spizz überhaupt insgesamt: Der Vokalist, der sich als Komponist und Arrangeur gern hinter dem Alias Spizzman verbirgt, singt durchweg italienisch, und das ist schließlich die Sprache der Sänger!

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Beschreibung

Julian Spizz – Das Ein-Mann-Vokal-Orchester

JULIAN SPIZZ – bekannt als Mitglied des Vocal-Trios TRINOVOX, mit dem er bisher drei CDs veröffentlicht hat – präsentiert sein erstes Soloalbum Incipit. Ein Album mit einer Vielzahl von Instrumenten – allesamt erzeugt von SPIZZs Stimme. Neue Sample-Verfahren ermöglichen nicht nur den Dialog mit sich selbst, sonder bieten dem Solisten auch die Chance als regelrechtes Ein-Mann-Orchester zu singen.

JULIAN SPIZZ nützt diese Gelegenheit perfekt. Der Vokalist, der sich als Komponist und Arrangeur gern hinter dem Pseudonym SPIZZMAN verbirgt, singt auf Incipit durchweg italienisch – und das ist schließlich die Sprache der Sänger!

Vocal-Jazz in einer noch nicht gehörten Art und Weise – faszinierend!!!

 Das Ein-Mann-Vokal-Orchester

Glaubt man Musikhistorikern, so haben Musikinstrumente, nachdem sie im Laufe der Menschheitsgeschichte ge- und erfunden worden sind, zuerst immer dazu gedient, den Klang der menschlichen Stimme nachzuahmen.

Folgt man dieser These, so liegt eine gewisse kuriose Ironie darin, dass die menschliche Stimme, nachdem sie zunächst von Instrumenten in nahezu allen Kulturen nachgeahmt worden ist, sich dann auch selbst wieder daran gemacht hat, eben diese Instrumente zu imitieren. Haarspalterisch gefolgert, ahmt die Stimme damit eigentlich nur sich selbst nach. Aber um Beckmesserei geht es hier nicht.

Schon in erhaltenen Kompositionen aus der Renaissance finden sich Beispiele für eine derartige „instrumentale“ Behandlung der Stimme, etwa im berühmten „La Guerre“ des Franzosen Clement Janequin, bei dem eine Art lautmalerisches Schlachtengemälde gezeichnet wird, das rein vokal realisiert wird.

In unserer Zeit ist der Jazz zunächst verantwortlich dafür gewesen, dass sich die Gesangsstimme intensiv am Klang der Instrumente rieb: Jazzsängerinnen wie Ella Fitzgerald (Jazzsänger gab es auch, aber nicht in so großer Zahl) orientierten sich seit den fünfziger Jahren bei ihren Scat-Vokalisen an den Bläsern der Jazzcombos, imitierten die Saxofon- oder Trompetenlinien.

Der vielleicht entscheidende Durchbruch einer grundlegenden Nutzung der neuen, eben nun auch elektronischen Möglichkeiten aber gelang dem Amerikaner Bobby McFerrin, – auch er nicht vorbildlos, Sängerinnen wie Urszula Dudziak oder Jeanne Lee hatten schon intensiv mit Effektgeräten experimentiert. Zu Beginn der achtziger Jahre konnte McFerrin nun mittels Loop-, Echo- und Hallgeräten mit sich selbst im Dialog singen. Das hat geradezu eine Welle von Vokalisten nach sich gezogen:
A-Cappella-Formationen bildeten sich überall, darunter solche wie die amerikanischen „Bobs“, die durch geschickte Nutzung der Mikrofone die Illusion erzeugte, eine Big Band mit Schlagzeug, Bass, diversen Bläsern und Gitarren sei da zu hören.

Im Laufe dieser Entwicklung gründete sich zu Beginn der neunziger Jahre auch das italienische Vokaltrio „Trinovox“, das einen entschieden unentschieden zwischen Jazz, Klassik und Pop hin und her pendelnden Weg verfolgte.

Anders als die vielen anderen A-Cappella-Bands verfolgten die „Trinovox“-Sänger Francesco Ronchetti, Riccardo Pucci- Rivola und Julian Spizz dabei einen sehr eigenständigen Weg: Die vokale Variation von Popklassikern oder Jazzstandards war nicht ihr Ziel, obwohl sie die musikalischen Elemente von Jazz und Pop durchaus in ihren Mix integrierten. „Trinovox“ gab sich von Beginn an literarisch ambitioniert: Japanische Haikus, Verse aus dem „Hohelied des Salomon“, Gedichte Lorcas und Eluards vertonten sie, reisten, bildlich gesprochen, mit ihren Stimmen rund ums Mittelmeer und – vielleicht ein zentrales Moment in ihrem Werk – sie „vokalisierten“ Teile aus Dantes „Göttlicher Komödie“.

Auch musikalisch ließ sich „Trinovox“ nicht auf den üblichen A-Cappella-Weg fi xieren: Die Sänger nutzten wie selbstverständlich auch Gesangsformen der Gregorianik und der Renaissance, spielten mit den Ideen der Avantgarde, sangen aber eben auch süffi ge Pop-Passagen. Nach zwei Alben („Incanto“ sowie „Mediterranea“, beide bei JARO erschienen) löste sich das Trio auf.

Nun meldet sich mit Julian Spizz einer aus dem Trio „Trinovox“ zurück. Inzwischen sind die technischen Möglichkeiten noch einmal enorm erweitert worden, neue Sample-Verfahren ermöglichen nicht nur den Dialog mit sich selbst, sondern bieten dem Solisten auch die Chance als regelrechtes Ein-Mann-Vokal-Orchester zu singen. Waren solche Experimente früher alleine im Studio (unter Verwendung aufwendiger Mehrspurtechnik) zu realisieren, so lassen sie sich inzwischen auch live – also in „real time“ (!) – vorführen. Julian Spizz nutzt diese Möglichkeiten perfekt. Für sein Solo-Album „Incipit“ (das lateinische Wort bezeichnet den Beginn, den Startpunkt einer Arbeit) hat er alle Stimmen eingesungen, und auch im Konzert kann Julian Spizz genau diese komplex verzahnten Gesangssätze realisieren, wobei das Publikum den Entstehungsprozeß mit verfolgen kann: Nach und nach schichtet er Schlagzeug, Bass und diverse Melodielinien übereinander, bis ein ganzes Vokalorchester singt.

Dabei macht sich Julian Spizz die Erfahrungen mit „Trinovox“ zunutze, geht aber insgesamt weit darüber hinaus: Er brummt den samtigen Doo-Wop-Bass als Groove-Basis, liefert peitschende Perkussionschübe, die so klingen als sei hier ein Syn-Drum-Set am Werke, dabei ist es „nur“ seine Stimme. Darüber liegen mal wild und ekstatische wuchernde Melodiestrukturen, mal ganz in den Klang verliebte Sounds, – ein Italiener wird wohl nie auf solch eine gute Prise sanft fl ießender Klänge verzichten!

Im Februar 2004 – Christian Emigholz

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