Zhyli-Byli

Zhyli-Byli

16,00 

„Wenn es einen “Friedensnobelpreis für Folklore” gäbe, sollte Sergey Starostin ihn als erster bekommen.“

Beschreibung

Zhyli-Byli wurde 2008 bei einem Konzert in Moskau aufgenommen. Es ist eine Sammlung von Themen, wie Frauen Krieg, Tod und Revolution ertragen.

Sergey Starostin ist Musiker, unermüdlicher Erkunder, talentierter Meister. Er ist ein brillanter russischer Volks- und Jazzmusiker, Sänger und Multiinstrumentalist. Seit Jahren schon sammelt und studiert er russische Volkslieder – im Rahmen seiner Folklore-Expeditionen hat er bisher beinahe 3.000 Lieder erfasst und für die Zukunft bewahrt. Er ist demnach nicht einfach ein Darsteller, sondern auch ein seriöser Forscher der Folklore, der viele Phänomene aus seinem eigenen, einzigartigen Blickwinkel betrachtet. Als Musiker gelingt es Starostin, auf erstaunliche Weise die traditionelle Herangehensweise an das Studium und die Aufführung Folklore-Lieder mit modernen, mitunter sogar avantgardistischen Musiktrends zu vermengen. Er ist Leiter zahlreicher Musikprojekte und wurde 2003 für die World Music Awards nominiert – eine jährliche Auszeichnung der BBC für die faszinierendsten Weltmusiker auf dem Gebiet der Ethnomusik.

Sergei Nikolajewitsch Starostin wurde 1956 in Moskau geboren. Seine ersten Begegnungen mit den Wurzeln der russischen Kultur verdankt er seiner Familie. Seine Eltern waren Leute „der Generation, die dazu neigte, die Dörfer zu verlassen und sich nach neuen Möglichkeiten in der Stadt auf die Suche zu machen“. Doch er wuchs in einer familiären Umgebung auf, in der es ein starkes Bewusstsein für die russischen Folklore-Traditionen und deren Erhaltung gab. Als Mitglied eines Knabenchors sang Sergey von früher Kindheit an. 1981 schloss er sein Klarinette-Studium am Moskauer Konservatorium ab.

Schon während seiner Studienzeit begann sich Sergey Starostin für die russischen Folklore-Traditionen zu interessieren. Nach seinem ersten Jahr an der Universität schloss er sich einer ethnologischen Forschungsreise im Rjasan-Gebiet an, wo er in einem Dorf den Gesang einer älteren einheimischen Frau entdeckte, die die erstaunliche Fähigkeit hatte, nicht einfach zu singen, sondern – um es in der Sprache der Theoretiker auszudrücken – ein überraschendes „musikalisches Bild des Lieds” zu kreieren. Verblüfft war Sergey Starostin nicht nur von der Klangfarbe ihrer Stimme, die sich durch den typischen Folklore-Charakter sowie durch große Natürlichkeit auszeichnete, sonder auch von der Tatsache, dass sie auch ohne geeignete musikalische Ausbildung in einer so überzeugenden und „professionellen“ Art und Weise zu singen vermochte.

In den darauf folgenden vier Jahren arbeitete Sergey Starostin mit dem Folklore-Ensemble des Konservatoriums zusammen und nach Erfüllung seiner Wehrpflicht ging er an diese Schule zurück, um in deren Folklore-Labor zu arbeiten. Zu seinen Aufgaben dort gehörten die Aufbewahrung, Beschreibung und Einordnung der während der Folklore-Reisen gesammelten Daten. Er reiste freilich selber auch viel in die Dörfer. Neben Gesang interessierte sich Sergey auch zunehmend für traditionelle Holzblasinstrumente. Diese waren schon damals selten geworden, doch Sergey hatte Glück. Es gelang ihm, eine beachtliche Zahl von Folklore-Instrumenten, die schon zu Artefakten geworden waren, zu finden und zu neuem Leben zu erwecken: den Horn aus dem Twer-Gebiet, den er heute noch spielt, die Kaljuka, eine Obertonflöte, die Gusla, ein Streichinstrument, und andere. Sein Kosenname Grandpa verdankt Sergey Starostin seinem Äußeren: er hat einen graumelierten Bart und blaue Augen, die aus Liebe für die traditionellen Musikinstrumente – Schaleika, Kaljuka, Low Whistle, Pyzhatka, Gusla und Flöte – regelrecht funkeln.

Bei seinen Bemühungen, die traditionellen Instrumente aufzuspüren und zum Leben zurück zu bringen, nachdem sie eigentlich nur noch als Museumsstücke galten, fiel es Sergey Starostin auf, dass es gar nicht so einfach war, ihnen anmutige, fließende Musik zu entlocken. Nachdem er eine Menge Wissen und Erfahrung gesammelt hatte, begann er, mit diversen Folklore-Ensembles zu spielen, unter anderem Bylina und Slavici. Er experimentierte zudem mit der Band Alliance, die Rockmusik mit traditionellen Rhythmen und Harmonien mischte.

In diese Phase fiel auch seine erste Zusammenarbeit mit der berühmten norwegischen Sängerin Mary Boine. Als Sänger und Instrumentalist hat Sergey Starostin mittlerweile mit einer ganzen Reihe herausragender Musiker kollaboriert: dem renommierten armenischen Musiker und Dudukspieler Djivan Gasparyan, Inna Jelannaya, Rockmusiker Leonid Fedorov, ehemals von der Band Auctyon, den kirchenslawischen Sirin-Chor sowie Olga Arefevaya. Hinzu kommen seine Beteiligungen an Projekten des Moscow Art Trios (Sergey Starostin, Mikhail Alperin und Arkady Shilkloper), von Huun-Huur-Tu, dem Volkov Trio, den Bulgarian Voices ANGELITE u.a.

Ohne jemals seine Karriere als Musiker zu unterbrechen, arbeitet Starostin bereits seit 1987 für den Rundfunk, unter anderem produzierte eine eigene Radiosendung zur traditionellen russischen Kultur. Von 1991 bis 1998 war er als Hauptleiter einer Sendung mit dem Titel „Weltdorf“ auch beim Fernsehen.

Sergey Starostin hat mittlerweile eine riesige Sammlung von Material angehäuft und möchte dieses nun einem größeren Publikum zugänglich machen, da es, wie er sagt, einen wichtigen Teil russischer Traditionen, der russischen Kultur und des Volksbewusstseins darstellt. Leider, fügt er hinzu, kennen wenige diese Tradition wirklich gut. Sein größter Wunsch wäre, seinen Liederschatz mit dem größtmöglichen Publikum zu teilen.

“Wir sind unglaublich reich, doch geben wir uns mit dem armen, erbärmlichen Unrat zufrieden, dem wir im Alltag begegnen, weil er zufällig der Mode entspricht. Bitte versteh mich nicht falsch. Ich fordere nicht die Verdrängung dieser primitiven Popmusik durch Folklore in sämtlichen Radio- und Fernsehsendungen. Das wäre unmöglich und unnötig. Ich bin lediglich der Meinung, dass jede Form von Musik, ob Jazz, Rock, Klassik oder Folklore, seinen eigenen Raum haben sollte. Das Publikum, besonders die jungen Zuhörer, sollten wissen, dass es verschiedene Arten von Musik gibt, die wenig gemeinsam haben mit dem was sie normalerweise hören. Nur dann können sie bewusst das wählen, was ihrem Herzen nahe steht.“

Sergey Starostin gilt verdientermaßen nicht einfach als Sammler, sondern als ernstzunehmender Forscher und Experte der authentischen russischen Kultur. Im Hinblick auf viele Phänomene in der Folklore leitet er von seiner umfangreichen Arbeit auf diesem Gebiet höchst interessante Sichtweisen ab. Nehmen wir das Beispiel der ursprünglichen musikalischen Gattung der Ballade. Neunzig Prozent dieser Lieder sind traurig, oft entsetzlich. Sergey ist der Meinung, dass dies nicht allein auf den schweren Rhythmus und die Phonetik – den skandierenden Klang der russischen Sprache – zurückzuführen ist, sondern dass solche Lieder erschaffen wurden, um diese entsetzlichen und traurigen Ereignissen, von denen die Lieder handeln, im wirklichen Leben zu verhindern. Das Singen war demnach eine Art Zauberritual.

Sergei Klewenski – Multiinstrumentalist, beherrscht mehr als ein Dutzend der exotischsten Holzblasinstrumente. Zahlreiche Kritiker halten Sergei Klewenski für einen der interessantesten modernen Künstler der zeitgenössischen Ethnomusik-Szene Russlands. Sergei arbeitet seit Jahren erfolgreich mit vielen Plattenlabels und Filmemacher und tritt mit vielen bekannten russischen sowie ausländischen Künstlern zusammen auf. Sein im Westen bekanntestes Projekt war „The Farlanders“.

Taisia Krasnopewtseva und Olga Krasnopewtseva – zwei begabte junge professionelle Volkssänger, deren Repertoire zahlreiche originale und echt traditionelle Lieder umfasst, die sie während ethnographischer Forschungsreisen als Mitglieder der bekannten russischen Folkgruppe Veretenze in verschiedenen Regionen des Landes sammelten und direkt von den einheimischen Volkskünstlern übernahmen.

Sergey Starostin – Gesang, Gusli, Rojok

Sergei Klewenski – Klarinette, Holzblasinstrumente

Taisia Krasnopewtseva – Gesang, Drehorgel

Olga Krasnopewtseva – Gesang

Alle Teilnehmer an diesem Projekt sind bekannte und bewährte Musiker der professionellen russischen Ethnomusik-Szene.

[gview file=“http://www.jaro.de/wp-content/uploads/2012/09/Starostin-Info_low.pdf“ save=“1″]

Bewertungen

Es gibt noch keine Bewertungen.

Schreibe die erste Bewertung für „Zhyli-Byli“

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.