Music for Voices, Trumpet & Bass

16,00 

Am Anfang waren die Stimmen: zwei Sängerinnen und ein Sänger, die sich offenkundig bestens verstanden. Norma Winstone aus England, die Brasilianerin Rosani Reis und der Italiener Giacomo di Benedetto sind Sänger/innen mit verschiedenem kulturellem Background und verschiede- nen musikalischen Erfahrungen…

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Beschreibung

Am Anfang waren die Stimmen: zwei Sängerinnen und ein Sänger, die sich offenkundig bestens verstanden. Norma Winstone aus England, die Brasilianerin Rosani Reis und der Italiener Giacomo di Benedetto sind Sänger/innen mit verschiedenem kulturellem Background und verschiede- nen musikalischen Erfahrungen. Die bewusste Herausforderung dieser Besetzung inspirierte Uli Beckerhoff (Trompete) in mehrfacher Hinsicht. Kompositorisch wurde er bei Tango und Bossa fündig und richtete sein Augenmerk verstärkt auf Liedformen. Music for Voices, Trumpet & Bass

Ulrich Beckerhoff – Trompete, Flügelhorn

Norma Winstone – Vocals

Rosani Reis – Vocals

Giacomo di Benedetto – Vocals

Helmut Kracht – Bass

Am Anfang waren die Stimmen: zwei Sängerinnen, ein Sänger, die sich offenkundig bestens verstanden. Norma Winstone aus England, die Brasilianerin Rosani Reis und der Italiener Giacomo di Benedetto sind KünstlerInnen mit verschiedenem kulturellem Background und verschiedenen musikalischen Erfahrungen. Die bewußte Herausforderung dieser „merkwürdigen Besetzung“, wie Uli Beckerhoff (Trompete) selbst sein Quintett einstuft, inspirierte ihn in mehrfacher Hinsicht.

Kompositorisch wurde er bei Tango und Bossa fündig und richtete sein Augenmerk verstärkt auf Liedformen. Vokalsatz und Kontrabass (Hartmut Kracht) bilden in einigen Titeln das harmonische Fundament, doch gibt Beckerhoff nicht der Versuchung nach, das Ensemble vor allem als alternatives Sprungbrett für das eigene instrumentale Können zu nehmen. Er bläst betont sanglich, viele der maßvoll und überlegt gestalteten Soli haben eine klare melodische Linie, die sich deutlich am Charakter des Stückes orientierten. Er versteht es, seine meisterhafte, leicht rauhe Trompete mal unvermittelt, mal gesetzt, jedoch sehr passend in die Kompositionen zu involvieren. Auch der Italiener Giacomo di Benedetto und die Brasilianerin Rosani Reis beherrschen dieses „Singen ohne Worte“ virtuos.

Vom ekstatischen Keuchen über sinnliches Hauchen, von kindlichem Geplapper bis zu den rhythmischen Geräuschen der „Human Beatbox“, die man sonst eher von Rap- oder a cappella-Formationen kennt, erstreckt sich das Repertoire der drei Vokalisten, die sowohl solo als auch im Terzett überzeugende und mitreißende Beiträge liefern.

Der multinationale Charakter des Quintetts wirkt sich auch auf die stilistische Bandbreite aus: Rosani steuert viel brasilianisches Feuer und Wehmut bei, Giacomo Witz und Virtousität. Die Tragik eines sizilianischen Dramas transferiert er in ein tangoartiges Stück und italienische Lebensfreude demonstriert er mit einer Rap-Einlage. Norma Winston, die große Dame des europäischen Jazzgesangs aus England, mischt improvisatorisch offensiv mit und ordnet sich in das locker groovende Gefüge der brasilianischen Stücke ein.

Standards sind en vogue – aber sind sie einmal gesetzt, machen sie leicht blind. Zu eingefahren wird dabei die Wahrnehmung. Uli Beckerhoff will mit dieser Platte keine Standards setzen. Assoziationen gibt es: an die Zeit des Petrillo Bans (als Anfang der 40er Jahre beim großen Musikerstreik in den USA auf Platten nur Sänger als Begleiter erscheinen durften, da sie nicht Mitglieder der „Musicians‘ Union“ waren), an den legendären Soundtrack zu Luis Malles Fahrstuhl zum Schafott (bei dem Miles Davis zeitweilig nur vom Bass begleitet wurde), an „folklore imaginaire“ (die phantasievolle Folklore des Landes „Überallundnirgendwo“ mit, wie etwa in Gülhan, selbsterfundenen Sprachen). Aber Standards erfüllen? Fehlanzeige!

Schon die Besetzung mit Trompete, drei Stimmen und Bass erzwingt bzw. ermöglicht den je eigenen Blick auf die musikalischen Genres, auf die angespielt wird und die standardmäßig mit Etiketten wie Tango, Jazz, Rap, Ethnopop, Belcanto o. ä. versehen werden. Die standardgemäße Rollenverteilung in der Band ist dabei gleich mit aus den Fugen geraten. Die Frage „wer begleitet da eigentlich wen?“ ist irrelevant geworden. Alle niemanden und jeder alle.

Vorbildhaft ist dieses Projekt. Nicht im Sinne von: zur Nachahmung empfohlen, eher im Sinne einer unabhängigen Vision. Es ist keine bloße Novität um ihrer selbst willen sondern folgerichtig im Zusammengang mit Uli Beckerhoffs Entwicklung. Aufschlussreich ist die Reihe der Gruppen- bzw. Plattentitel von Uli Beckerhoff: von RIOT über CHANGES und STAY bis LA VOCE, von der äusseren Auflehnung zur Annäherung der Trompete an die (eigene) menschliche Stimme.

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