"Jasper van't Hof ist ein großartiger Pianist, einer, der vor musikalischen Ideen nur so zu sprudeln scheint, der die Möglichkeiten seines Instrumentes dazu nutzt, ihm immer wieder Überraschendes zu entreißen und in virtuose und humorvolle Kunstwerke zu verwandeln. Dafür gibt es nicht nur am Ende viel Beifall"(Mindener Tageblatt, 2007)
JASPER VAN'T HOF zählt zu der kleinen Gruppe eigenständiger, europäischer Pianisten/Keyboarder - und er ist einer der erfolgreichsten.
Geboren wurde er am 30. Juni1947 als Sohn eines Jazztrompeters und einer klassisch ausgebildeten Sängerin in Enschede/Niederlande.
Sehr früh zeichnete sich bei ihm ein grosses musikalisches Interesse ab, er bekam Klavierunterricht und schrieb im Alter von 14 Jahren seine ersten eigenen Kompositionen. Zunehmend begann er sich für Jazz zu interessieren - den elterlichen Plänen eines Konservatoriumsbesuches wusste er sich zu entziehen, er spielte lieber live. Schon als 19jähriger nahm er an verschiedenen Jazzfestivals teil und heimste Preise ein.
JASPER VAN'T HOF hat eine Vorliebe für eigenwillige, oft asymmetrische, melodische, harmonische und metrische Entwicklungen, die seinem Spiel eine unverwechselbare Identität verleihen. Sein Umgang mit den Keyboards ist von verblüffendem Einfallsreichtum (er wurde schon 1972 in einem Jazzpoll zum führenden europäischen Synthesizer-Spieler gewählt, als er noch ausschliesslich elektrisches Instrumentarium spielte, allerdings mit einer Fülle raffinierter Vorschaltgeräte).
Sein Spiel auf und mit der Elektronik hat längst den "Widerstand der Knöpfe" überwunden, und er erliegt auch nie der vordergründigen Faszination durch all die frappierenden Effekte, die die heutige Elektronik in überreicher Fülle anbietet. JASPER VAN'T HOF improvisiert auf seiner Elektronik wie z. B. ein Jazzbläser auf seinem Instrument - musikalische Einfälle werden unmittelbar auf dem Instrument realisiert; er besitzt 'unbewusste Kontrolle' über seine Elektronik, eine Grundvoraussetzung für jeden guten Jazz-Solisten, wenn er kreative Improvisationen gestalten will.
VAN'T HOFS Klangbilder und -welten fangen den Hörer ganz selbstverständlich ein, weil alle Geräusche, elektronisch transformierte oder modulierte Naturklänge, instrumentale Klangfarben und Rhythmen, musikalische, gestaltete Einfälle sind - keine 'Sounds' die mehr oder weniger zufällig auf der Maschine gefunden werden.
Interessanter- und kurioserweise wurde JASPER VAN'T HOF 1978 von den Lesern einer Jazz-Zeitschrift zum "zweitbesten Synthesizer-Spieler Europas" gewählt, ob wohl er bis dahin ausschliesslich Klavier, E-Piano und Orgel gespielt hatte, diese allerdings oft genug an diverse elektrische Effektgeräte anschloss.
Seine Prägung erhielt VAN'T HOFS musikalischer Werdegang in der spezifischen Atmosphäre der späten sechziger und frühen siebziger Jahre, als auch musikalische Normen - bislang mehr oder minder unangefochten tradiert - ins Wanken gerieten. Der europäische Jazz bezog Distanz zu den oft übermächtig empfundenen amerikanischen Vorbildern und beschritt eigene Wege; weltweit erschütterten die Jericho-Trompeten des Free Jazz liebgewonnene Klangstrukturen.
Ersten grossen europäischen Erfolg feierte er mit der Band ASSOCIATION P. C., die VAN'T HOF 1969 gemeinsam mit dem niederländischen Schlagzeuger Pierre Courbois und dem deutschen Gitarristen Toto Blanke gründete, als Bassist fungierte der Deutsche Sigi Busch. Die Band führte eine bis dahin in dieser Qualität nicht gekannte Synthese von Jazz und Rock vor, die 1971 bei den Berliner Jazztagen als Sensation gefeiert wurde.
Gegen Verkrampfungen, zu denen infolge (zwar verständlicher) ideologischer Überfrachtung manche der Neuerer tendierten, war JASPER VAN'T HOF nicht zuletzt durch eine gehörige Portion Schalkhaftigkeit gefeit - wie sich die niederländische Szene ja überhaupt durch einen besonderen Humor auszeichnet (man denke nur an Willem Breukers folkloristische Free Jazz-Sinfonien). Bereits die Titel der von der ASSOCIATION P. C. erarbeiteten Stücke - etwa "Rock Around the Cock" - signalisierten das Augenzwinkern und die Ironie, mit der man hier musikalische Klischees in die Mangel nahm.
"80 Prozent von ASSOCIATION P. C. war Elektronik", erinnert sich JASPER VAN'T HOF, und folgerichtig fand man ihn bald in der ersten Reihe derjenigen Jazzer, die die durch elektronisches Instrumentarium neugeschaffenen Klangmöglichkeiten voll ausloteten; nun in einer eigenen, mit Charlie Mariano und Philip Catherine gegründeten Formation, die er - in Anspielung auf eine alte Lester Young-Nummer - PORK PIE nannte.
Es entstanden zwei vorzügliche Alben, deren zweites, TRANSISTORY, des Weggefährten Peter Trunk gedenkt; durch den frühen Tod dieses hervorragenden deutschen Bassisten hatte die Jazzszene im allgemeinen und - wie am legendären, unter VAN'T HOFS Mitwirkung entstandenen Album SINCERELY P. T. klar wird - die junge Jazz-Rock Bewegung insbesondere einen genialen Mitstreiter verloren. Durchaus auch in der Nachfolge dieses Musikers stand PORK PIE für ein Konzept, in dem sich die technisch- künstlerische Virtuosität des Jazz mit der dynamischen Extrovertiertheit der Rockmusik verband.
Das ergab natürlich auch Live-Musik par excellence. Wer Mitte der siebziger Jahre miterleben konnte, welche schier unerschöpfliche Energie und mitreissende Power JASPER VAN'T HOF selbst im Alleingang oder im Duospiel zu entfesseln vermochte, wird dies immer zu seinen inspirierendsten Konzerterlebnissen zählen - unvergesslich der Enthusiasmus der Duo-Auftritte mit dem Trompeter Manfred Schoof: "Manfred hatte mit Cees See und Peter Trunk gespielt; nach Peters tödlichem Unfall wollte er ursprünglich mit der Musik aufhören: in unserem Zusammenspiel gelang es uns, ihn 'zurückzuholen'."
In den mächtigen Improvisationsausbrüchen, für die seine Konzerte berühmt sind, wirkt die Begeisterung des holländischen Pianisten für freies Spiel bis heute sehr lebendig fort. "Mein Herz hängt nach wie vor am Free Jazz", sagt er. "Ich bewundere Albert Mangelsdorff oder Irene Schweizer - sie ist meine Lieblingspianistin -, aber auch Peter Brötzmann oder Peter Kowald für ihre Kraft und Überzeugung. Das höchste, was ein Musiker erreichen kann, ist für mich auch heute noch die freie Improvisation aus der profunden Kenntnis seines Instruments heraus."
In der Studioarbeit jedoch hatte sich VAN'T HOFS künstlerisches Image schon bald gewandelt. Das erste Soloalbum, THE SELF KICKER, war bereits ein deutliches Bekenntnis zu melodisch ausgereifter und durchkonzipierter Musik; JASPER VAN'T HOF zählt es noch jetzt zu seinen Lieblingsplatten. Das er nach dem Ende von PORK PIE in ungezählten Plattenveröffentlichungen und Konzerten in stets neuen, andersgelagerten Konstellationen exzellierte - als kongenialer Partner so unterschiedlicher Musikerpersoenlichkeiten wie Wolfgang Dauner, Zbignew Seifert, Alphonse Mouzon, Archie Shepp, Han Bennink -, liegt mit Sicherheit letztlich in jener einzigartigen Verbindung von Kreativität und künstlerischer Selbstdisziplin begründet.
Einige seiner Duo-Partner verpflichtete er 1980 für seine Formation EYEBALL, nämlich den französischen Geiger Didier Lockwood, den amerikanischen Saxofonisten Bob Malach, den italienischen Schlagzeuger und Perkussionisten Aldo Romano sowie den dänischen Bassisten Bo Stief.
Als ihm 1981 für sein Dreifach-Album MY WORLD OF MUSIC der holländische Edison-Preis zuerkannt wurde, hob die Jury in ihrer Begründung jedenfalls zutreffend die Momente von 'Herausforderung' und 'Überraschung' hervor, die JASPER VAN'T HOFS 'herausragendes Werk in der Welt des Pianos' kennzeichnet.
1984 gründete er die afro-europäische Formation PILI-PILI. Mit seinem ersten Album erzielte er einen riesigen Erfolg vor allem in der Dance- und Pop-Szene.
Desweiteren kam es 1992 zu einer Reunion seiner Formation PORK PIE in der Besetzung: VAN'T HOF, Philip Catherine, Charlie Mariano und Don Alias, in dessen Folge das Album OPERANOIA erschien
Seine erste grosse Würdigung erhielt JASPER VAN'T HOF zum 50. Geburtstag in Holland mit dem renommierten BIRD AWARD. Ausserdem erzielten seine beiden in Italien aufgenommenen Orgel-CDs UN MONDO ILLUSORIO grosse Beachtung, und VAN'T HOF spielt mittlerweile die Kirchenorgel auf renommierten klassischen Festivals.
Im April 2003 erschien 25 Jahre nach der ersten Piano-Solo-CD endlich seine neue Studio-Solo-CD. Aufgenommen wurde sie im November 2002 im Sendesaal von Radio Bremen. Hauptthema ist das Erklärbare, Mathematische und Wiederkehrende in der Musik, inspiriert von Gödel-Escher-Bach, die in Musik, Malerei und Mathematik dieser Formel auf den Grund gegangen sind. Der Titel der CD ist AXIOMA (JARO 4250-2) - auch eine Jubiläums-CD für JARO, es ist nämlich die 150ste Veröffentlichung.
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