Das New Yorker Oktett Hazmat Modine verströmt eine Menge „heißer Luft“, wie ihr Frontman und Gründer Wade Schuman (Harmonika, Gesang, Gitarre) meint – nicht nur wegen ihrer drei Bläser (Tuba, Saxofon, Trompete), sondern auch, weil sie da einen noch nie dagewesenen Fassettenreichtum ausgekocht haben, der von Harmonica, Violine, zwei Gitarren und einem Schlagzeug ausgebaut wird. Was da wirbelt und tanzt, heult und lacht, erwächst aus den Wurzeln des Blues, Country, Klezmer, Jazz, Rockn’Roll, aus Balkan Beats, Calypso, afrikanischer Musik ect pp… Schon mit ihrer ersten CD Bahamut wurden sie auch in Europa in ihrer Einzigartigkeit und mitreißenden Spielfreude wahrgenommen.  Seitdem konzertiert die Band weltweit auf rennomierten Jazz,- Folk,- und Weltmusikfestivals wie beispielsweise dem Jazzfestival Berlin, dem Chicago World Music Festival USA, dem Sayan Ring Festival in Sibirien, dem Festival Musicas Do Mundo in Sines, Portugal, dem Borneo Jazz Festival in Malaysia, dem Vancouver Folk Festival in Kanada und dem Womad Festival in Wiltshire England.

2011 veröffentlichte die Band ihr zweites Album Cicada, mit dem sie an den Erfolg ihres Debutalbums anknüpfte und den Prix Charles Cros in Frankreich gewann. Darauf folgte ein erstes Livealbum mit dem gleichnamigen Titel Live im Jahre 2014. Im Jahr 2015 stellt die Band ihr neuestes und viertes Album Extra-Deluxe-Supreme vor.

Der Name der Band setzt sich aus „Hazmat“, einem im Englischen gebräuchlichen Ausdruck für ‚hazardous material‘, also Gefahrgut, und dem Namen „Modine“ zusammen, einem Verweis auf die auch als „Modine“ bekannten, meist gewerblich genutzten Heizlüfter des Klimageräteherstellers Modine Manufacturing Company. Der Gründer Wade Schuman empfand diesen Bezug als passend:

„Die Band um Sänger, Lautengitarrist und Harmonikaspieler Wade Schuman stürmt über alle Grenzen hinaus und braut eine kochend heiße Mixtur aus Blues, Rocksteady, Rock’n’Roll und Balkanmelodien…Der kompakte Sound entwickelt sich aus dem lässigen Zusammenspiel von Tuba, Trompete, Saxophon, Gitarre, Mundharmonika, Cimbalom, Steel-Gitarre und Schlagzeug…Wahnsinn!“

New York war schon immer der Schmelztiegel verschiedener Musikkulturen. Das verkörpert mehr denn je Hazmat Modine, eine der angesagtesten Bands der Stadt, die die Wurzeln der amerikanischen Musik mit verschiedenen Formen der Weltmusik vermischt. Hazmat Modine ist wie ein Perpetuum mobile. Der „All Music Guide“ aus den USA beschreib das Debüt-Album Bahamut des New Yorker Oktetts als „zeitlos und urzeitlich, wahrhaft einheimisch und unerklärlich jenseitig, vertraut und unvergleichlich“. Die Idee der Band ist, die Wurzeln der amerikanischen Musik mit den verschiedenen Formen der Weltmusik zu vermischen und somit einen eigenen Sound zu kreieren.

Für Hazmat Modine übertrumpfen Zeitlosigkeit und Innovation das Trendige und Vergängliche. Als lebende Definition der amerikanischen Roots-Musik, dem Blues – ist Hazmat Modine kontinuierlich auf der Suche nach neuen Inspirationen. Durch lange Tourneen und zahllose Festivalauftritte hat die Band alles ihnen Begegnete aufgesaugt und musikalisch verarbeitet.

„Wir leben in einem der goldenen Zeitalter der Weltmusik,“ sagt Schuman. „Musik kommt von überall her und das wird deutlich, wenn man auf Festivals spielt – da hast du Musiker aus der ganzen Welt: Afrika, Asien, Nord- Mittel- und Südamerika. Die gegenseitige Befruchtung ist offensichtlich. Wir leben in einer Zeit, in der so viele Musikrichtungen schon von anderen Musikrichtungen beeinflusst worden sind.“

Das Ergebnis ist einzigartig: Blues, Country, Jazz und Soul der 20er und 30er Jahre bis in die 50er und 60er Jahre hinein trifft mit der Energie einer rumänischen Brassband auf Klezmer, jamaikanischen Calypso, New Orleans, R&B, Swing und Avantgarde Jazz. Dieser facettenreiche und einzigartige Sound entsteht auch durch die unkonventionelle Besetzung von Hazmat Modine: Gesang, Mundharmonika, Gitarre, Violine, Banjo stehen im Vordergrund, ergänzen sich und treten in Dialog, begleitet von Tuba, Trompete, Posaune, Gitarren, Perkussion, Claviola und hawaiianischer Steel Guitar.

Besonders live sind Hazmat Modine ein atemberaubendes Erlebnis: Die Band um Wade Schuman überzeugt mit ungeheurer Spielfreude und Energie. Wie die Musiker lachend drauflos improvisieren, sich gegenseitig beflügeln und das Publikum zum Tanzen bringen, ist Musik gewordene Lebenslust. Die Tuba ersetzt dabei den Bass, Frontmann Wade Schuman singt wie ein liebeskranker Bluesman, wie Tom Waits im Stimmbruch, Mundharmonika und Akkordeon kommen virtuos zum Einsatz. Die beiden Gitarren klingen wie von Ali Farka Toure inszeniert, Trompete und Schlagzeug entfernen sich weit von ihrer angestammten Funktion. Die unerwarteten instrumentalen Töne kommen aus der Violine, dem Cimbalon, einer hawaiianischen Steel-Gitarre, Kontrabass-Saxofon, Banjo und armenischer Duduk.

Ihr Erstlingswerk Bahamut erschien 2007, erregte international Aufmerksamkeit und wurde von den Journalisten gefeiert. Der phenomenale Erfolg ihrer ersten Europa-Torunee im Sommer 2007 zeigte, dass die Band nicht nur auf ihrem Debüt-Album, sondern auch ‚live‘ mit ihrer Soundkollage, ihrer instrumentalen, stimmlichen und lyrischen Originalität einzigartig sind. So eroberten sie seit 2007 auf Europa-Tourneen das Publikum im Sturm.

2011: Hazmat Modine stellte ihr neues Album Cicada vor. Die 14 Titel auf der CD beinhalten unter anderem Kooperationen mit der elektrisierenden Gangbé Brass Band aus Benin sowie die künstlerische Zusammenarbeit mit dem berühmten Kronos-Quartett oder der beliebten US amerikanischen Sängerin Natalie Merchant.

Die Band profitierte hörbar von den über 250 Konzerten in Europa und wurde durch diverse Fernsehporträts bei ARTE, 3Sat und SWR3, aber auch durch ein Musikstück zu Wim Wenders Tanzfilm „Pina“ bekannter. Außerdem komponierten Hazmat Modine die Filmmusik des japanischen Gangsterfilms „Tokyo Joe“, führten wochenlang die iTunes Download Charts im Bereich „Blues“ an, kamen bei den World Music Charts Europe 2011 auf Platz 2 (!) und gewannen im gleichen Jahr den französischen Grand Prix Charles Cros für das Genre Blues!

2012: Nahm Wim Wenders in seiner filmischen Hommage an Pina Bausch „Pina“ den Titel Bahamut auf. Seitdem entwickelt sich das Titelstück der ersten CD zu einem Renner unter internationalen Tanztheatern.

2013: Die Band veröffentlicht ihr erstes Vinylalbum, eine Zusammenstellung der besten Titel aus den ersten beiden CDs als audiophile Schallplatte in einer limitierten Auflage von nur 1001 Stück. Im Dezember spielten Hazmat Modine zum 40. Geburtstag des Pina Bausch Tanztheaters in Wuppertal. Das Stuttgarter Staatsballet tanzte bei mehreren Aufführungen nach Bahamut.

2014: Hazmat Modine veröffentlichen ihr erste live-Aufnahme mit dem gleichnamigen Titel „Live“. Die Band ist dabei in unterschiedlichen Besetzungen und mit verschiedenen Gastmusikern zu hören. Drei Stücke sind unveröffentlicht.

2015: Erschien das vierte Album EXTRA-DELUXE-SUPREME . Erste Konzerte spielte die Band in Südamerika: Brasilien und Mexiko.

2016: Das 10. Jahr Tourneen in Europa, 28 Konzerte in Deutschland, Holland, Slowenien, Österreich, Schweiz, Frankreich.

2017: Im Sommer des Jahres werden sie wieder nach Europa kommen, evt ein zweites Mal nach Australien fliegen und im Herbst 2017 ihre neue CD aufnehmen, die dann im Frühjahr 2018 erscheinen wird.

„[…] Solche kleinen Wunder braucht die Musikwelt ungeheuer dringend.“ Deutsche Besprechung

„[…] Auch diesmal überzeugten Hazmat Modine wieder durch die Lässigkeit, mit der ein musikalisches Feuerwerk abgebrannt wurde. Man mag aus dem Ensemble eigentlich niemanden herausheben, aber die ausgedehnten Soli des Tubisten John Daley und das energetische Spiel der Posaunistin Reut Regev nötigten größten Respekt ab.“ Ulrich Kriest

„[…]Hazmat Modine sprengen die Grenzen des Blues und öffnen ihn in alle Richtungen. Eine schier unüberblickbare Vielzahl von Einflüssen vermischt sich in einen einzigartigen Sound…Das Publikum war begeistert.“ Hanno Jentzsch

„[…] Die messerscharfen Harmonika-Riffs und atemberaubenden Soli des Bandleaders Wade Schuman und seines nicht minder versierten Partner Bill Barrett kombiniert mit Posaune, Saxophon, Klarinette, Tuba, Schlagzeug und zwei ungezähmten Gitarren, ergeben einen Sound, wie es ihn kein zweites Mal gibt … Wie die Musiker lachend drauflos improvisieren, die Einfälle der anderen weiterspinnen, in wilder Extase fast explodieren, um dann wieder ganz leise zu werden, das ist Musik gewordene Lebenslust.“ Erlangener Nachrichten

„[…] Doch es sind auch die leisen Töne, die an diesem Abend überzeugen: Etwa wenn Wade Schuman die Mundharmonika rausholt und auf ihr etwas fabriziert, das man so noch nie gehört hat. Virtuos erstezt er mit seinem Spiel ein ganzes Orchester, das mal nach vorüberfahrendem Zug klingt, dann wieder wie ein Wildwestern-Volkslied. Spätestens da hält es die Zuhörer nicht mehr auf den Plätzen, und es wird ordentlich getanzt in dieser Sommernacht.“ Martina Himmer – Main-Echo

„[…] Aus Bahamut, dem Titelstück ihrer bislang einzigen CD machen sie im Konzert einen fulminaten Talking Blues, der von einem arabischen Mythos erzählt, eingebettet in Calypso-Klänge und Balkan-Rhythmen. Eine abenteuerliche Mischung, die den Abend auch zu einem furiosen Tanzspektakel werden lässt.“  Gerd Döring – Frankfurter Rundschau

„[…] Kritiker nannten Wade Schuman schon den besten Munharmonika-Spieler der Welt. Kein Einspruch… Was er aus dem kleinen, nicht mal chromatischen Instrument herausholt, ist da eigentlich gar nicht drin.“ Ulrich Olshausen

Hazmat Modine Europa Tour 2017

Teaser 1

Teaser 2

Andere Videos…

Wade Schuman– diatonische Mundharmonika, Gesang, Gitarre und Banjitar (Banjo-Gitarre)

WadeSchumannWade Schuman, der Kopf von Hazmat Modine, ist ein künstlerisches Multitalent. Er kommt ursprünglich von der Malerei und ist Kunstdozent in New York/USA. Er gewann verschiedene Stipendien und Preise wie den „Mary Post Prize for Painting“.Was die Musik betrifft, so spielt Schuman die Mundharmonika bereits seit seinem 10. Lebensjahr und beherrscht die Stile des frühen Blues der 1920er und 30er Jahre mittlerweile meisterhaft. Er wuchs in Ann Arbor, Michigan, auf, einer Stadt, die lange Zeit eine lebendige und interessante Musikszene hatte.

Mittlerweile lebt und arbeitet Schuman in New York City. Beeinflusst wurde er in seinem Schaffen unter anderen von Desmond Dekker, Jaybird Coleman, Sidney Bechet, Taraf De Haidouks und Slim Gaillard. Er wirkte auch auf Joan Osborn’s Album „Relish“ mit, das für vier Grammys nominiert wurde. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte: www.forumgallery.com/artist/wade-schuman/.

Mazz Swift – Gesang & Violine

Mazz SwiftMit ihr haben Hazmat Modine eine vielseitig begabte und äußerst talentierte Künstlerin verpflichtet. Mazz Swift erfindet aufregende Fusionen von Violinenspiel, Gesang und frei entwickelten Bühnenkompositionen die auf Klassik, Jazz und Rock fußen und dennoch einfach nicht bloß in eine Kategorie zu zwängen sind. Die Fähigkeiten an der Violine entwickelte sie unter anderem am renommierten New Yorker Musikkonservatorium Julliard. In den letzten Jahren hat sie unter anderem mit Jay-Z, Kanye West und Whitney Houston zusammen gearbeitet.

Joseph Daley– Tuba

Joseph DaleyJoseph Daley ist gebürtiger New Yorker und bei Hazmat Modine anstatt eines Basses mit Sousaphon und Tuba für die tiefen Töne zuständig. Er ist vielleicht der Spezialist für die tiefen Blechblasinstrumente und hat unter anderem mit Sam Rivers, Carla Bley, Taj Mahal, Charlie Haden, Gil Evans, Lionel Hampton und Howard Johnson zusammen gearbeitet. Er erscheint auf weit über einem Dutzend Alben.  2011erfüllte er sich einen lang gehegten Traum: Er komponierte Musik für eine Big Band-Album. „The seven deadly Sins“ ist Orchesterjazz in Form einer 7-teiligen Suite. 2011 bei Jaro erschienen, erntete es beste Kritiken. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte: www.jodamusic.com.

Erik Della Penna – Gesang, Banjo, Gitarre

ErikDellaPennaErik ist  Songwriter und Gitarrist, er lebt in New York City. Zudem spielt er auch Banjo und Lap-Steel Gitarre. Er tourte mit Künstlern wie Joan Baez, Natalie Merchant, Joan Osborne und David Yazbek. Erik hat die Musik für A & E Television, The New York Historical Society sowie Musik und Songtexte für zwei Inszenierungen von Walden Media produziert und geschrieben. Daneben arbeitet Erik an zwei Musicals, eins in Chicago und eins in New York City.

Michaela Gomez– Gitarre, Steel Guitar, Banjitar

Michaela GomezDie aus Nordkalifornien stammende Michaela Gomez lebt in New York City. Neben Hazmat Modine spielt sie mit Greta Gertler & The Extroverts, ihrer eigenen Band Wormwood und in einem Projekt mit Mitgliedern von Ween. Als häufig nachgefragte und sehr versierte Gitarristin hat sie unzählige Bühnen bespielt mit unter anderen The Moonlighters, Mitglieder von the Mink Lungs, The Bootleg Remedy und Jack Grace.

Sie ist Langzeitstudentin und Schülerin von Mike Longo, Dizzy Gillespie’s Pianist und Arrangeur. Ihr flüssiges Spiel umfasst eine bemerkenswerte Breite musikalischer Stilrichtungen, von Delta Blues zu Sinti-Swing und weiteren Stilen. Ihr feiner und einzigartiger Zugang zu Klang und Rhythmus, zusammen mit der Weite ihrer Einflüsse machen sie zu einer Schlüsselfigur von Hazmat Modine. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte: https://www.facebook.com/michael.gomez.140?fref=ts

Tim Keiper – Schlagzeug

Tim KeiperTim Keiper begann seine Karriere indem er 1999 nach New York City zog. Von dem Moment an widmete er sein Dasein und Schaffen vollkommen der Musik. Er tourte, nahm verschiedene Stücke auf und baute selbst Musikinstrumente.  Die Vielseitigkeit von Tim Keipers Fähigkeiten werden vor Allem am der langen Liste von Kollaborationen mit szenebekannten Künstlern deutlich. Als eine der interessantesten Beispiele ist hier sicher die Zusammenarbeit mit dem malischen Gitarristen Vieux Farka Touré zu nennen, die neben Auftritten beim „Festival in the Desert“ in Timbuktu auch einen Track auf Ali Farka Tourés CD  „Ali and Toumani“  hervorbrachte.

Pam Fleming– Trompete, Flügelhorn

PamFlemingDie Trompeterin und Komponistin Pamela Fleming aus New York City ist der Kopf der World-Jazz Gruppe Fearless Dreamer. Sie ist besonders durch ihre Zusammenarbeit mit Natalie Merchant, Sarah McLachlan und den Indigo Girls sowie Reggae-Größen Burning Spear, Dennis Brown und Maxi Priest und den Klezmer-Gruppen Metropolitan Klezmer und Isle of Klezbos bekannt geworden.

Steve Elson– Bariton- und Tenorsaxofon, Klarinette, Querflöte, Duduk (armenische Flöte)

SteveElsonAls Teenager ging der Saxofonist Steve Elson mit der legendären Johnny Otis Rhythm and Blues Revue auf Tour. Später begann der vielseitige Saxofonist, sich in einer Vielzahl musikalischer Richtungen zu bewegen, und ging z.B. mit David Bowie auf Welttournee. Außerdem arbeitete er mit den Slickaphonics zusammen. Steve Elson wirkte auf mehreren hundert Pop-, Jazz-, Klezmer- und R&B- Aufnahmen mit. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte: www.steveelson.com.

Datum Stadt Location Land
25.05.2018 Bensheim REX Germany

Zeit: 20:00.

Altersbeschränkungen: All Ages.

Adresse: Fabrikstr. 10.

26.05.2018 Baden Baden Blues Club – Löwensaal Germany

Zeit: 20:00.

Altersbeschränkungen: All Ages.

Adresse: Haupstr. 89.

Location Telefonnummer: +49 7221 70633.

01.06.2018 Hard Kammgarn Austria

Zeit: 20:00.

Altersbeschränkungen: All Ages.

Adresse: Spinnereistraße 10.

Location Telefonnummer: +43 5574 82731.

06.06.2018 Hamburg Fabrik Germany

Zeit: 20:00.

Altersbeschränkungen: All Ages.

Adresse: Barner Str. 36.

Location Telefonnummer: +49 40 391070.

09.06.2018 Holle bei Hildesheim Burg Wohldenberg. Open Air Germany

Zeit: 20:00.

Altersbeschränkungen: All Ages.

15.06.2018 Arnhem Luxor Live Netherlands

Zeit: 20:00.

Altersbeschränkungen: All Ages.

Adresse: Willemsplein 10.

Location Telefonnummer: +31 26 351 1660.

16.06.2018 Saarburg Glockengiesserei Germany

Zeit: 20:00.

Altersbeschränkungen: All Ages.

Adresse: Staden 130.

Location Telefonnummer: +49 6581 2336.

17.06.2018 Nürnberg tbc Germany

Zeit: 20:00.

Altersbeschränkungen: All Ages.

Hazmat Modine & Gangbé Brass Band

Hazmat ModineNew York’s Hazmat Modine und West Afrika’s Gangbé Brass Band geben gemeinsame Konzerte 2011 auf ihrer Sommer Tour.
Erstmals trafen sie sich 2007 in Malaysia, jammten nach ihren Festivalsauftritten gemeinsam und waren Feuer & Flamme, beschlossen irgendwann einmal zusammen zu arbeiten. Im Sommer 2009 war es endlich soweit. Beide Künstler auf ihrer Europatournee konnten einen einzigen gemeinsamen Termin finden zum proben und zur Aufnahme einer Demo-CD und einiger kurzer Clips. Bereits nach 5 Stunden Proben zauberten sie im Tübinger Sudhaus ein faszinierendes Konzert auf die Bühne. 16 Musiker auf dem Podium, groovende Rhythmen und ausgelassene Soli der Bläser steckten das Publikum an.
Die acht Musiker aus Benin kreieren eine eigenwillige Mischung aus moderner Brass Band und traditioneller afrikanischer Musik. Mehrstimmige „call and response” Gesänge treffen auf mannigfache Perkussionsgewitter und vielschichtig arrangierte, raffinierte Bläsersätze, die jeder funky New Orleans Brass Band gut zu Gesicht stünden. Scharf gewürzt wird dieser Mix mit einfallsreichen Jazzsoli und abwechslungsreichen, unvorhersehbaren originellen Arrangements. Die ansteckende natürliche Spielfreude verführt mühelos jedes Publikum, sich dem Rhythmus hinzugeben und den Tanzboden zu bevölkern.

Hazmat Modine

Wade Schuman – Musiker, Maler, Bandleader von Hazmat Modine

Stuttgart, 27. Mai 2010 (Hotel Astoria, Dachterrasse) für Kulturjournal, Dieter Heß, B2

Gespräch aus dem Amerikanischen von/mit WOLF GAUDLITZ

Wolf Gaudlitz (WG): Soeben fertig geworden mit der Arbeit?

Wade Schuman (Wade): Mit der Tour oder dem Album?

WG: Dem Album.

Wade: Mit beidem stecke ich mittendrin – mit der Tour und dem Album.

WG: Dann verhält es sich genauso wie unser Interview.

Wade: Nein, das haben wir doch gerade erst angefangen.

WG: Wie man’s nimmt. Denn Sie sagen sie stecken mitten in der Tour und fangen doch eigentlich erst heute Abend mit ihr an; zugleich stellen Sie aber schon das Album vor, das noch gar nicht fertig ist! Also behaupte ich: Wir stecken auch jetzt schon mitten im Interview!

Wade: So gesehen haben Sie absolut Recht.

WG: Und wo sind wir außer mit dem Gefühl mittendrin zu sein gerade jetzt?

Wade: Auf der Terrasse eines Hotels mitten in Stuttgart. Ich finde es ein merkwürdiges Hotel, allein seines Namens wegen, denn es heißt „Astoria“. Und wenn ich diesen Namen höre, dann ist es für mich als Amerikaner schon recht seltsam, festzustellen, dass ich eben jetzt nicht in Queens in New York City bin. Und dies umso mehr, weil wir gerade mit dem Flugzeug aus New York angereist sind, eine ganze Nacht lang, mehr oder weniger schlaflos und auf einmal sind wir schon wieder oder eben immer noch im „Astoria“ – aber nicht in Queens.

WG: Womit festzuhalten gilt: Das Eine scheint zweifellos hinter Ihnen zu liegen und Anderes wiederum liegt noch vor Ihnen.

Wade:  In der Tat. Auch hier stecken wir also mittendrin. D.h., wir bewegen uns in ständig wechselnden Stadien. Im Moment, was die Aufnahmen für unser neues Album anbelangt, stecken wir noch mitten in der Arbeit, zusammen mit der aus dem Benin stammenden Gruppe „The Gangbé Brass Band“; und genauso übrigens auch mit der Sängerin Natalie Merchant. Das mit den Afrikanern hinzubekommen, ist es nicht ganz so einfach, denn die sind zu acht, genauso wie wir. Problem: die leben in Afrika und wir in Amerika. Also wo und wie kommen wir zusammen? Auf unserer Tournee in Tübingen! Endlich. Und es wird einen Live-Mitschnitt geben. Außerdem habe ich ein Stück geschrieben, das zusammen mit dem Kronos Quartett eingespielt werden soll. All das veranschaulicht: wir stecken noch mittendrin.

WG: Womit zu wünschen wäre, dass das neue Album im Herbst auf den Markt kommt.

Wade: „Zu wünschen“, ja! Aber wer weiß schon, was wirklich geschieht? (lacht) Schauen Sie, vorrangig geht es mir um einen kreativen Schaffensprozess und nicht um die Herstellung eines neuwertigen „Produktes“. D.h., um kreativ zu sein, muss alles stimmen – übereinstimmen! – ein Zusammenspiel der Synchronitäten, ein Prozess, in dem das Eine aus dem Anderen wächst.

WG: Den Takt zur Synchronität geben allerdings Sie vor. Auch wenn die Co-Produzenten und Fans einen etwas schnelleren Schlag wünschten.

Wade: Ja so ist das eben auf dieser Welt: jeder möchte am liebsten alles und das wiederum am besten noch bevor man in Betracht ziehen könnte, darauf warten zu müssen. So ist es doch, oder? Aber für mich, der ich mich um alles zu kümmern habe – von der Produktgestaltung, der ästhetischen als auch der kompositorischen – und ich aber nur ich selbst, also ein einziger bin, brauche halt entsprechend mehr Zeit. Allein der einzuspielende Song mit Natalie, da spielen gut zwanzig Musiker!

WG: Wenn Sie davon sprechen, dass Sie „ein Einziger“ sind, soll das dann heißen, dass Sie ganz allein auf dieser Welt sind? Oder bedeutet es, dass es niemand anderer wagen sollte, Ihnen Ihre vielseitige und kreative Position streitig zu machen.

Wade: Wie sollte es derjenige?! Ich bin doch die Hauptperson! Die Band, die Musik, das Zusammenspiel mit den anderen, das Touren durch die Welt kommt doch aus mir! Erschwerend kommt dann noch hinzu, wenn wir den ganzen Sommer lang durch die Welt touren, ist es wirklich schwer nebenher noch eine CD zu produzieren. Und wer das plant, arrangiert, koordiniert, das bin doch ich!

WG: Sie der Produzent, über alles waltend und mit dem letzten Ohr.

Wade: Mein Studio-Tonmeister ist zugleich mein Co-Produzent; ihm und seinem Ohr schenke ich auch großes Vertrauen. Er darf mitreden. Muss er auch. Wir haben schließlich 14 Songs in Bearbeitung. Zudem müssen eine ganze Anzahl authentischer Töne mit eingemischt werden, die ich überall auf der Welt aufgenommen und aus ihr mitgenommen habe – Klangdokumentationen. Das neue Album unterscheidet sich wesentlich von unserem ersten, vorhergehenden durch diese sehr unterschiedlichen Stilrichtungen, sowohl in der Einspielung als auch in den Kompositionen. Vielleicht kann man sagen, dass dieses Album nicht so gefällig klingt wie das erste. Insgesamt gilt es jetzt ein großes und hörenswertes musikalisches Gedicht zu schaffen. Und so was braucht einfach seine Zeit!

WG: Immerhin scheint der Titel des Albums schon festzustehen: Cicada – die Zikade.  

Wade: Unverrückbar! Warum? Weil ich dieses Insekt mag. Es ist das lauteste auf der Welt und vollzieht ein recht merkwürdiges Leben: für etliche Jahre lebt es ausschließlich am Boden in einer Zeitspanne von sieben bis zu siebzehn Jahren – was für Insekten doch eine beachtlich lange Zeit ist! Diese Tierchen leben also ständig am Boden und auf den Bäumen, sie zirpen und nähren sich und eines schönen Tages, ohne einander abzusprechen, wachsen ihnen „Beine“, d.h. Flügel. Sie heben in Zweisamkeit ab; Männlein und Weiblein schweben davon und lieben sich, bekommen Nachwuchs und … sterben. Also wenn so ein Lebenslauf keine Poesie darstellt, was dann! Gut, sie fliegen nicht besonders geschickt, wirken ein wenig plump, unbeholfen – aber dafür singen sie ja gewaltig schön! Und so ein Kriterium ist für einen Musiker, wie ich nun mal einer bin, nicht unerheblich.

WG: Die Zikade ist Ihnen hier also nicht ein Sinnbild des sonnigen Südens, sondern vielmehr das einer poetischen Lebensweise?

Wade: So ist es. Zikaden gibt es ja überall. Wenn ich bedenke, dass sie z.B. auch im Staat Michigan heranwachsen. In den heißen, den sogenannten Hundstagen des Sommers beginnen sie mit dem Singen. Und gerade dann, wenn der Sommer dabei ist, sich zu verabschieden, hören sie damit wieder auf und es wachsen ihnen die Flügel und sie steigen in andere Sphären. Zikaden sind in den gesamten Vereinigten Staaten zu finden. Die meisten Arten scheint es in Australien zu geben. Ihre Namensgebungen sind bemerkenswert, z.B.: „Schokoladen-Soldat“, „Sand-Raspel“ oder auch „Gelber Montag“. Das sind für so winzige Geschöpfe sowohl spannende als auch poetische Wortgebilde, mit denen so ein Wesen bedacht und zugleich auch geliebt zu werden verdient.

WG: Gehen Sie deshalb mit Ihrer Band immer im Sommer auf Tournee.

Wade: Das mag eine Fügung sein, ja. Aber was bei den Zikaden auch noch bemerkenswert ist, ist dass der Resonanzkörper bei den Zikaden den gesamten Körperbau ausmacht. Der Ton kommt also nicht aus der Öffnung des Mundes, sondern schwingt vielmehr aus dem gesamten Körper. Das bewirkt auch diese unglaubliche Lautstärke, die sie wiederzugeben im Stande sind. Die Zikade ist ein Sound-Element, ein Körper aus dem der Klang aus allen Poren fließt. Das muss man sich mal vorstellen, was das bedeutet: nicht Körper, sondern nur noch Klang zu sein, durch und durch. Und die Basis für das Leben einer Zikade ruht auf den Eigenschaften: Sound, Sex und Fliegen!

WG: Sie hingegen müssen zu acht auf der Bühne stehen, um die Klänge ganz nach Ihrem persönlichen Empfinden, erst einmal in den Raum zu tragen.

Wade: Wenn es nach mir ginge, würde ich gerne noch mehr Musiker auf die Bühne stellen. Also neun Musiker wäre noch besser als acht. Aber dann bekommt man auf Tournee doch schon ziemliche Transportprobleme.  Als ich die Band gründete waren wir weniger. Wir starteten mit zwei Harmonikas, Gitarre, Tuba und Schlagzeug – wir waren also nur zu fünft, als wir anfingen.

WG: Und das Einzige, was nicht zu hundert Prozent von Ihnen selbst stammt, sind die Lieder.

Wade: Manche ja, andere nein, wieder andere nur zum Teil. Z.B. schrieb ich einige Lieder zusammen mit Randy, Randy Weinstein, aber er hat die Band inzwischen verlassen. Die neuen Lieder sind alle von mir geschrieben und komponiert worden. Ausgenommen der Song „Child of a blind Man“, den schrieb ich zusammen mit Elisabeth Gilbert, der Schriftstellerin. Sie ist eine wirklich gute Freundin von mir. Und das nicht erst nachdem sie ihren Bestseller „Eat – Pray – Love“ veröffentlichte, der ja auch mit Julia Roberts verfilmt wurde. Liz kenne ich seit 1989. Und ein paar Mal reisten wir auch zusammen durch die Welt, z.B. durch Indonesien. Dort kamen mir eine ganze Reihe von Liedern in den Sinn, d.h. die Melodien. Aber es fehlten die Worte. Und so geschah es, dass Liz plötzlich mitten auf der Straße – dort irgendwo im indonesischen Nirgendwo – den Text zu einem Lied fand, der ihr ganz unverhofft wie aus Kopf und Herzen sprang. Dort begann unser musikalisches Zusammenspiel.

WG: Lässt sich schon sagen, was der grundlegende Unterschied zwischen der ersten CD „Bahamut“ und der nun folgenden „Cicada“ ist?

Wade: Meine Großmutter pflegte immer zu sagen: „Wenn Menschen sich nicht ändern, dann werden sie langweilig!“ Man könnte aber auch sagen: „Wenn Menschen älter werden, sind sie wirklich das, was sie immer schon waren – nur jetzt geben sie deutlich zu erkennen, wer sie sind. Und mit einer Band verhält es sich wohl ganz ähnlich: man wächst zusammen und man wächst gemeinsam über sich selbst und zusammen mit den anderen über dies und das heraus. „Bahamut“ entstand über einen Zeitraum von mehr als sieben Jahren! Und in diesen sieben Jahren änderte sich die Band ständig, ihre Mitglieder, die Instrumente. Und die Band, so wie sie heute besteht, tourt nun seit über vier Jahren zusammen. So etwas übt einen gewaltigen Einfluss auf die Musik und auf uns selbst aus; auf den Rhythmus und das harmonische Zusammengehörigkeitsgefühl. Zudem sind die Blasinstrumente bei uns heute ausgeprägter; vorher dominierten sie nicht. Jetzt sind wir vier Bläser und auch das wirkt sich hörbar aus, wir sind lauter. Wir klingen mehr nach R & B.; nicht unbedingt – wie manche sagen – Rock’n Roll, auch wenn man den zweifellos herauszuhören kann. Dann ergänzt uns jetzt auch noch eine Sängerin, Natalie Merchant. Wir hatten bislang noch nie eine Sängerin in der Band. Zusammengefasst könnte man sagen: dieses Album ist irgendwie etwas voller, klangvoller als das erste.

WG: Das betrifft jetzt nur das Album oder auch Ihre Auftritte, Konzerte?

Wade: Ich glaube, man hört das auch auf den Konzerten heraus. Wir klingen irgendwie komplexer, intensiver, konzentrierter auch. Dann gibt es einen weiteren, wesentlichen Unterschied: wir singen jetzt mitunter auch alle zusammen. Vorher war ich der einzige, der sang, was mir nicht immer behagte. Ich fühle mich da doch sehr unserer amerikanischen Tradition verbunden, denke an Bluegrass-Gesang, an Crosby, Still & Nash und auch an die Beatles. Ja, diese Terz im Gesang empfinde ich als spannend und harmonisch.

WG: Wenn Sie in sich und Ihre Lieder hinein hören, hören Sie dann manchmal auch noch auf Modeerscheinungen, die Ihnen Klang und Rhythmus vorzugeben versuchen?

Wade: (lacht) Ich höre erst einmal auf mich; eigentlich höre ich nur auf mich. Ich bin ja schon ein paar Jährchen alt und weiß, was mir gefällt und was nicht. Ich denke da z.B. an ein Lied auf unserem neuen Album, das wie ein Blues beginnt, im Gesang sich dann aber stark am amerikanischen Bluegrass-Gesang orientiert. Das klingt zeitlos und eben auch harmonisch. Dem Ganzen kommt dann eine sudanesische Instrumentalisierung mit Flötentönen und Trommeln hinzu, wie sie zwar aus Afrika importiert wurde, in den Vereinigten Staaten aber sehr häufig zu hören ist. Es gibt ja eine Unmenge von Tönen und Klängen, die alle von irgendwoher kommen; nicht zuletzt auch damit wir sie aufgreifen, mischen und wiedergeben. Nur einer Stilrichtung zu folgen, betrachte ich als einfallslos.

WG: Die Geschichten, die Lieder wachsen Ihnen aus Ihren Begegnungen. Es könnte also z.B. jetzt auch die Geschichte meines ägyptischen, aus dem Sahara-Sand ausgegrabenen Schuhs sein, die Sie zum nächsten Song inspiriert.

Wade: Richtig. Vorausgesetzt allerdings, dass Sie mir den Schuh schenken! Geben Sie ihn mir und dann werde ich weitersehen.

WG: Ich habe den Eindruck, dass Sie auf Ihrem ersten Album entschiedener in den kleinen, oft absurd erscheinenden Geschichten des Alltags spazieren gingen, als nun in dem zu erwartenden.

Wade: Ich glaube, dass das gleichermaßen das neue Album betrifft. Sehen Sie mal, hier singe ich mit der Stimme und der imaginären Vorstellung ich sei das Insekt, die Zikade! Die meisten meiner Lieder dienen doch einer abstrakt zu nennenden Veranschaulichung.

WG: Eben so, wie es einem Maler gebührt.

Wade: Töne malen, ja, das auch.

WG: Das künstlerisch gemalte Cover auf dem neuen Album ist auch von Ihnen. Es zeigt eine nicht gerade farbenprächtige Zikade.

Wade: Ja leider. Manchmal passiert das in der Reproduktion einer Reproduktion. Das Original ist etwas farbgesättigter. Wichtiger erscheint mir aber doch die Abstraktion des Bildes, das fliegende Insekt in all seiner körperlich erscheinenden Klangfülle.

WG: So spricht zugleich der akademische Professor der Malerei und persönliche Lehrer von Heidi Klum.

Wade: (lacht leise) Ja das stimmt. Das war einmal. Aber auf einer privaten Malschule, da war sie meine Schülerin. Ein Freund von mir arbeitete mit Heidi zusammen. Und so kam es, dass er sie mir vorstellte und ich sie für ungefähr ein Jahr lang unterrichten durfte. Sie ist eine wirklich außergewöhnlich charmante Person, zudem humorvoll und überhaupt nicht kompliziert. Als sie heiratete und nach L.A. umzog, haben wir uns aus den Augen verloren.

WG: Man sollte den Kontakt mit großen Künstlern immer pflegen. Ich denke, das ist nun auch der Grund, dass ich Ihnen meine ägyptischen Schuhe schenke.

Wade: Das erscheint mir eine gute Idee: Schuhe aus echtem Kamelleder! Aber was zum Kuckuck machen Sie denn in Ägypten?

WG: Abstraktionen einfangen.

Wade: Und auch gute Musik hoffentlich.

WG: Ja. Wobei ich glaube, dass die bessere Musik immer noch aus dem Libanon kommt.

Wade: Und dem Sudan!

WG: Kommen wir noch einmal auf das neue Album zu sprechen. Z.B. den Song-Text von „Child of a blind Man”.

Wade: Es geht um Erinnerungen. Manchmal sind diese winzig klein und trotzdem von gewichtiger Bedeutung, so dass sie ständig sichtbar bleiben. Ich erinnere mich z.B. an eine Begebenheit als ich ungefähr sechzehn Jahre alt war. Damals besuchte ich einen Schulfreund über der Straße. Eine Biene war im Raum. Und der nahm ein Wasserglas und stülpte es über das Insekt. Die Biene flog und flog und flog ununterbrochen in ihrem sehr begrenzten Raum. Die Sonne fiel ein und die Biene warf einen fliegenden Schatten, eine winzige, eine stete Bewegung. Das ist so ein Bild, das sich in meinem Gedächtnis eingebrannt hat und nun wie eine Ikone steht, die das Leben symbolisiert. Und genauso verhält es sich mit meinen Song-Texten, eben wie auch bei „Child of a blind Man“. Erinnerungen, die wie Vignetten gezeichnet sind; die die Seele berühren über all die Jahre des eigenen Lebens. Ich denke auch an den Song „Mocking Bird“ – (zu Deutsch Spottdrossel.) Das hat sicherlich damit zu tun, dass ich unlängst von Manhattan nach Harlem umgezogen bin. Auch wenn man immer noch in New York City wohnt, so hat man in Harlem doch plötzlich das Gefühl, als sei man zugleich aufs Land gezogen. Das hat mit den Nachbarn zu tun. In Harlem kennt jeder jeden und in den Hinterhöfen wachsen Bäume auf denen Vögel sitzen, die zwitschern und singen. So eben auch diese Spottdrossel, die besonders dadurch auffällt, dass sie alle Arten von Tönen sammelt und diese wiedergibt, vom Zwitschern anderer Vögel bis hin zu allen Variationen des Telefonklingeltons. Und das macht sie Tag und Nacht, unaufhörlich. Was also diesen Vogel auszeichnet, ist, dass er keine eigenen Lieder singt und immer nur die oder das Andere imitiert; er ist sozusagen ein Plagiatssünder. Diesen Umstand als Metapher in einem Lied wiederzugeben erschien mir wertvoll. Aretha Franklin hat auch einmal ein berühmtes Lied über die Spottdrossel geschrieben, so wie ich nun auch in dem neuen Album. Überhaupt thematisiert die neue CD eine ganze Reihe von Tieren, die einer allegorischen Veranschaulichung dienen.

WG: Und welches Tier veranschaulichen Sie durch sich selbst?

Wade: Ich? – Den „Homo Sapiens“.

WG: Wann gab es denn den?!?

Wade: Immer noch. Und ich behaupte, zu den Primaten der nordamerikanischen Rasse zu gehören.

WG: Original, original, pure made in and out … rein und ohne weitere Abstammung?

Wade: Nun gut zusammengemischt natürlich, wie überhaupt alles was Amerika auszeichnet.

WG: Ihre jüdischen Gene sind in Ihrer Musik wiederzufinden.

Wade: Ja die kommen von Vaters Seite. Aber wie und wo und wann genau, das vermag ich nicht zu sagen. In Amerika ist es wirklich so, dass man in zweiter oder dritter Generation nicht mehr genau weiß, wo die eigentlichen Wurzeln lagen. Was aber meine Musik anbelangt, so glaube ich nicht, dass der Einfluss europäisch geprägt ist. Ich höre da viel mehr Afrika heraus. Der Blues z.B. ist doch rein afrikanisch.

WG: Deshalb auch die Zusammenarbeit mit der Gangbé Brass Band?

Wade: Schließlich sind sie eine der besten Bands auf der Welt!

Als wir vor drei Jahren einen Auftritt in Malaysia hatten, oben auf diesem spektakulären, abgeschnittenen Berg, direkt neben dem riesigen Casino von Kuala Lumpur, da trat auch die Gangbé Brass Band auf. Eine Gruppierung, die nur aus Schlag- und Blasinstrumente besteht. Und zudem singen und tanzen sie, ganz so als würde das  Leben nur aus rhythmischer Inspiration bestehen. Damals wurde mein Wunsch geboren, unbedingt auch einmal mit dieser Gruppe zusammenspielen zu wollen. So sandte ich Ihnen die Komposition für einen gemeinsamen Song und sie sandten mir ihre kompositorischen Ergänzungen zurück. Wir werden jetzt in Tübingen zusammenspielen. Das Konzert wird mitgeschnitten. Wir haben noch nie zusammengespielt, die Gemeinschaftskomposition ist unsere Vorgabe. Ich denke, dass auf diese kreative Art und Weise meine Arbeit, unsere Musik wächst. Bemerkenswert ist bei der Gangbé Brass Band auch, dass sie sich vieler afrikanischer Klangelemente bedienen; sie sind aus dem Benin, spielen aber auch nigerianische oder südafrikanische Rhythmen, die sie dann auch noch mit typisch amerikanischem Jazz anreichern. Das schließt doch den Kreis zu uns Amerikanern, oder.

WG: Echte Welt-Musik! Deshalb auch Ihre Zusammenarbeit mit der aus Tuwa stammenden mongolischen  Gruppe Huun-Huu-Tu und  ihren bemerkenswerten Obertonstimmen. Wo fanden Sie die?

Wade: Oh ja, die lernte ich über einen berühmten russischen Künstler, Alex Melman, der 1979 in die Vereinigten Staaten immigrierte und dessen Bekanntschaft ich Anfang der neunziger Jahre machte. Und in New York ist es so, dass, sobald man mit der russischen Intelligenzija Kontakt pflegt, man automatisch alle und jeden von ihnen kennen lernt. Und so kam es, dass Alex’ Frau Katja mich anrief und sagte: „komm mal herüber und hör dir diese Leute an!“ Und so kam ich auf diese Party wo die Huun-Huu-Tu auftraten und sangen und ich spontan mit Ihnen und meiner Mundharmonika improvisierte. Das war noch zu Zeiten, ich glaube 1993 oder `94, da gab es uns als Band noch gar nicht. Und dann wartete ich wirklich jahrelang auf eine Gelegenheit, um mit Huun-Huu-Tu gemeinsam etwas machen zu können. Und als es uns etwa zehn Jahre später als Band gab und ich es verantworten konnte zu sagen: „jetzt lasst uns mit ihnen spielen!“,  hing ich mich ans Telefon und rief sie im sibirischen Tuwa an, gleich neben der Mongolei, wo sie Zuhause sind.

WG: Und wo entstanden die Aufnahmen?

Wade: In meinem Loft in New York City in der 38. Straße, aufgenommen mit nur zwei Mikrofonen. Das war aufregend, sie kamen in der Früh aus Moskau an, wir spielten zusammen und am Nachmittag flogen sie weiter, um vor ausverkauftem Haus an der Westküste ein Konzert zu geben.

WG: Und nun auch noch der Wunsch mit dem Kronos-Quartett zusammenzuarbeiten.

Wade: Oh ja!

WG: Da wird dann aber nicht so improvisiert geschehen.

Wade: Wohl kaum (lacht) Ich bekam eine e-mail von David Hering vom Kronos-Quartett. Er schrieb mir von einer Zugfahrt, die er gerade mit dem Quartett durchführte: „Ich hörte gerade Ihre CD und finde sie großartig!“ So traten wir in Kontakt und planten eine Zusammenarbeit. Ich halte David Hering für eine ganz außergewöhnliche Erscheinung; er ist ein besessener Klangsammler und Künstler, der alles zu vereinen sucht, was den musikalischen Sinnen irgendwie Nahrung gibt. Ich finde es unglaublich, mit wem das Kronos-Quartett alles zusammenarbeitet, unermüdlich, besessen – dabei die ganze Welt umgarnend, umarmend. Und so sind nun auch wir jetzt mit im Boot über das große Klang-Wasser.

WG: Gibt es ein Instrument, das Sie nicht spielen können?

Wade: Eine Menge. Meistens spiele ich doch nur Gitarre und Harmonika und Flöte.

WG: Andere Frage: gibt es ein Instrument, das Sie nicht spielen würden?

Wade: Nein. Ich liebe jedes Instrument. Und wenn es nach mir ginge, ich würde jedes Instrument dieser Welt mit in die Band nehmen. Und besonders vermisse ich die Kora, das ist ein ganz wunderbares Instrument und nicht weniger die Oud. – Oh ja, es gibt so herrliche Klangkörper auf dieser Welt! Deshalb gibt es auf der CD ja auch Geräusche wie einen Regenguss in Slowenien oder einen Akkordeonspieler unter einer Brücke in Amsterdam zu hören; und nicht zu vergessen: die original Spottdrossel aus meinem Hinterhof in Harlem!

WG: Wer ist, wer war Ihrer Meinung der größte Komponist?

Wade: An so was denke ich überhaupt nicht.

WG: Ich sehe die Frage unter dem Aspekt ein musikalisches Verständnis oder Empfinden zu entdecken, aus dem die Faszination für Klang und Musik resultiert.

Wade: Meine Basis waren die Blues-Musiker der frühen zwanziger Jahre. Da wurde, glaube ich, in meiner frühesten Jugend der Same für mein Grundverständnis gesät. Das Grundverständnis für Musik entwächst meist der Kindheit oder frühen Jugend, da kristallisiert sich heraus, was später weiter wachsen soll. – Gut, auch die Beatles möchte ich hier nicht unerwähnt lassen.

WG: Zuweilen werden sie mit Tom Waits verglichen.

Wade: Das halte ich für naiv. Er ist Amerikaner und spielt Amerikanisches. Er singt in Moll und mit rauer, heißerer Stimme. Gut, da ließen sich Vergleiche ziehen. Und auch sein Gesang entstammt dem Blues. Aber ich muss schon sagen, dass ich nie unter seinem Einfluss stand. Auch wenn es in Amerika eine ganze Reihe von Bands gibt, die fast exakt wie er und seine Musik klingen. Aber wir als Hazmat Modine sind doch sehr eigen. Und er ist es eben auch. Aber diesen Vergleich ziehen gerne Europäer, weil sie die Assoziationen zu verschiedenen amerikanischen Musikrichtungen nicht kennen oder vielleicht auch gar nicht unterscheiden können.

WG: Dann wollen wir mal hoffen, dass Sie niemand kopiert oder womöglich gar schon so ist wie Sie.

Wade: Ich glaube, ich würde ziemlich böse werden, wenn ich da einen finde, der so ähnlich wäre wie ich. Ich genüge mir selbst, danke!

WG: Bleibt die Frage, was soll ich nun mit meinen Schuhen machen?

Wade: Ich würde sie gerne haben, habe aber keinen Ersatz für Ihre Füße. Und dass Sie barfuß nach Hause zu gehen – von Stuttgart bis nach München – das will ich Ihnen nicht zumuten. Aber ich liebe die Form. Sind die wirklich original aus Ägypten? Gibt es ein Logo, eine Markenzeichen?

WG: Klar, schauen Sie!

Wade: Wow!

WG: Fahren wir doch einfach zusammen nach Ägypten und kaufen ein, zwei Paar neue Schuhe!

Wade: Morgen aber erst! Heute habe ich noch einen Auftritt!

ENDE des Gesprächs

Achtung hier bitte klären, wie das Instrument genau bezeichnet wird:

Wade holt eine schier uralte Gitarrenbox in Banjo-Form hervor, öffnet sie und beginnt auf einem ca. 60 Jahre alten Gitarren-Banjo-Zumpfinstrument einen improvisierten „Hotel-Shoe-Blues“ an und gibt sich recht vergnügt.